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auf Bewährung

Es gibt Zeiten der Bewährung. Da kommt es darauf an und es zeigt sich, ob meine Überzeugungen halten. Haltung ist gefragt. Diese Zeiten suche ich nicht; sie kommen auf mich zu, sind mir aufgegeben. Jesus kennt das auch. Seine Wüstenzeit zwischen dem geisterfüllten Erlebnis der Taufe im Jordan und dem Beginn seines Wirkens in der Öffentlichkeit war eine Bewährungszeit. Dünnhäutig und bedürftig geworden durch die vielen Tage des Alleinseins, des Ausgesetztseins, der Entbehrung, nimmt er seine Gefährdung wahr. Der Idee, seine Gottessohnschaft zur eigenen Bedürfnisbefriedigung auszunutzen, stellt er die wirklich sattmachende Gottesbeziehung entgegen. Statt der Anmaßung der Unverwundbarkeit nachzugeben, weiß er um sein Menschsein und seine Verletzbarkeit. Und auf keinen Fall will er die Seite wechseln und das Böse anbeten. Die Verherrlichung der Macht ist keine Option für ihn. Er weiß: Ich bin Gottes Sohn in aller menschlichen Verletzbarkeit und in der Ohnmacht der Liebe.

Jesus hat sich in der Wüste bewährt und Haltung gezeigt. „Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.“ (Vers 13) Jesu Bewährungszeit geht also weiter. Er gerät in Konflikte und muss sich entscheiden. Seine größte Bewährung wird am Ölberg sein angesichts der bevorstehenden Verhaftung und des Leidensweges, der ihn erwartet. Er hält stand und hält fest und hält durch. Die Erlösung geschieht in Verletzlichkeit und in der Ohnmacht der Liebe.

Gebe Gott, dass ich in mir aufgegebenen Bewährungszeiten weiß, wer ich bin und worauf es ankommt. Und dass ich an der Liebe festhalte und mich vom liebenden Gott gehalten erfahre.

 

Sr. Christine Zeis MC

 

1. Fastensonntag / Lukas 4, 11-13

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