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in aller Klarheit

Eigentlich war es doch schon klar, oder? Jesus versucht, seinen Jüngern beizubringen, dass sein Weg nicht auf irdischen Triumph zielt, sondern dass er ihn nach Jerusalem in den tödlichen Konflikt führen wird - und durch den Tod hindurch. Und dass es für die Freundinnen und Freunde, die hinter ihm hergehen, derselbe Weg sein wird. Eigentlich hat er ihnen das acht Tage vorher schon gesagt.(9,18-28) Aber für die Jünger ist noch nichts klar.

Auf dem Berg, wo Jesus in aller Klarheit und Klarsicht seinen Weg vor sich sieht, wo er Ermutigung durch Elija und Mose erfährt, wo er erneut bestätigt wird von seinem himmlischen Vater – da sind die drei Vorzeigejünger vor allem verwirrt. Sie schlafen, wollen festhalten, verfallen in Aktionismus und fürchten sich. Nichts ist klar. Am Ende sind sie stumm und wohl auch ratlos. Sie nehmen zwar das Geschehen und den Auftrag, auf den auserwählten Sohn zu hören, wahr. Aber offensichtlich wollen – oder können – sie die Bedeutung des Gehörten (noch) nicht wahrhaben. Das Evangelium erzählt, wie lange es dauert, bis das Begreifen wirklich in den Herzen der Jünger*innen ankommt. Auch das Wahrhabenkönnen ist ein Weg. Ein Weg, der immer mehr in die Klarheit und Klarsicht führt.

Die Nachfolge hinter Jesus her kann nicht woanders hin führen, als wohin der Vorausgehende geführt wird. Der Weg hinauf nach Jerusalem ist der Weg hinab in die Selbsthingabe. Und „Jerusalem“ ist dann zu allen Zeiten die jeweiligen Situation, die jeweilige Herausforderung, die uns etwas um Jesu willen kostet. Hingabe hat einen Preis. Und Hingabe hat einen Gewinn. In wachsender Klarheit dürfen wir erfahren, dass die Gemeinschaft mit Jesus, diese Freundschaft mit dem unsichtbaren Geliebten, eine neue und intensive Qualität von lebendigem Leben bekommt. Und so wird der Zielort Jerusalem beides: größte Herausforderung und Geschenk österlichen Lebens. Jesus sieht den Weg in aller Klarheit. Und wir dürfen in diese Klarheit hineinwachsen.

 

Sr. Christine Zeis MC

 

2. Fastensonntag / Lukas 9, 28b-36

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