Home

Neubeginn am Kohlefeuer

Wenn wie im heutigen Evangelium von Petrus die Rede ist, spüre ich immer wieder meine große Sympathie für diesen Mann. Vielleicht mag ich ihn ja, weil ich denke, dass ich viel Ähnlichkeit mit ihm habe. Mein Vater sagte mir oft, ich sollte besser zuerst denken und dann erst reden, denn meine Ideen sprudelten oft sehr unüberlegt heraus. So ähnlich geht es auch Petrus, und manchmal weist ihn Jesus dafür scharf zurecht.

In Jerusalem war so viel Schreckliches geschehen: Jesus wurde ungerecht verurteilt, Petrus war zu feig gewesen, zu ihm zu stehen und behauptete drei Mal, ihn nicht zu kennen. Es tat ihm sofort furchtbar leid und er weinte bitterlich. Jesus wurde hingerichtet, Petrus war nicht dabei. Er hat er sich mit den anderen Jüngern und Jüngerinnen eingeschlossen, hilflos und verzagt. Er lief aber auf Magdalenas Wort hin zum Grab und überzeugte sich, dass der Leichnam nicht mehr da war. Er begann an die Auferstehung Jesu zu glauben, als er ihnen erschien.

 

Aber jetzt scheint es, als wäre einfach alles vorbei. Ich gehe fischen, sagt Petrus. Schließlich ist das sein Beruf, den er aufgegeben hatte, um drei Jahre mit Jesus zu gehen. Ein paar Jünger gehen mit ihm, wahrscheinlich froh, dass sie nicht untätig herumsitzen müssen. Sie kehren zurück in ihr bisheriges vertrautes Leben.

So geht es mir auch oft: Mit Schwung und Mut fange ich etwas Neues an, überzeugt dass mir Gott dazu die Kräfte gibt. Und dann fühle ich mich allein und irgendwie im Stich gelassen und flüchte wieder zurück ins Altvertraute, Bekannte.

Im heutigen Evangelium erscheint Jesus am See Tiberias, aber er wird gar nicht erkannt. Erst langsam wird seinen Freunden bewusst, dass er es wirklich ist. Und nach dem wunderbaren Fischfang erleben wir, wie der Auferstandene Petrus am Kohlenfeuer drei Mal fragt: Liebst du mich? An einem Kohlenfeuer hatte sich Petrus gewärmt, als er Jesus verleugnete. Jesus macht ihm keine Vorwürfe. Er fragt ihn aber so, dass Petrus weiß, dass er ihn wieder ganz aufnehmen und ihm eine große Verantwortung übertragen will. Trotz seiner Schwachheit, trotz seiner Schuld.

Und genau so darf auch ich sicher sein, dass ich Gottes Kind bleibe, weil Jesus mich trotz allem liebt. So ist er.

 

Sr. Margarita Erlacher MC

 

3. Sonntag der Osterzeit / Johannes 21, 1-14

top