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gering und glücklich

Es gab Zeiten in meinem Leben, da schrieb ich mein jugendlich-wankendes Selbstvertrauen der allzu katholischen Erziehung meiner Eltern zu. Demut als Tugend, die ohnehin in der koreanischen Mentalität durch die hierarchisch-konfuzianistische Tradition geprägt ist, empfand ich nicht so praktisch in der europäischen Gesellschaft. Als junger Musikstudentin aus Korea schien mir hierzulande ein selbstsicheres Auftreten auf jeden Fall mehr zu zählen als irgendwelche Zurückhaltung der eigenen Persönlichkeit. Bis ich herausfand, woher ein echtes Selbstbewusstsein und tieferes Selbstvertrauen kommen kann, hat es einiges an Zeit und innerer Arbeit gekostet. Doch letztlich durch die Geschenke des Himmels, die man ja 'Gnade' nennt, erkannte ich nun, dass "ich bin, wer ich bin".

Wenn ich weiß, wer ich bin: Gottes geliebte Tochter und bei aller Fehlerhaftigkeit heil-gemachte Freundin des HERRN, muss ich nicht für mich einen 'besseren Platz' behaupten. Mein guter Platz ist mir schon gegeben, ohne ihn je verdient zu haben. So kann ich mich mit ach so vielen zeitlosen Geringgeachteten solidarisieren, mich auf sie hin bewegen, meinen Kopf bewusst nicht über meine Schwestern und Brüder erheben... Sondern mich stets gering UND glücklich schätzen vor IHM, dessen Größe wir immer - im besten Fall - hinterher hinken können.

Mit welchem "Geringgeachteten" möchte ich diesen wunderbaren gemeinsamen 'Status' teilen? Wie könnte das in nächster Zeit konkret geschehen?

Sr. Joanna Jimin Lee

 

22. Sonntag im Jahreskreis / Lukas 14, 1. 7-14

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