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Glaubenskraft und Einfachheit

Als Missionarin Christi bin ich in den Dienst genommen; ich bin mit Jesus unterwegs. Nicht dass es einzelne Handlungen wären, die ich in meiner Arbeitszeit besonders gut machen soll um mein Soll zu erfüllen. Es geht darüber hinaus um viel mehr: um die Ausrichtung meines ganzen Lebens auf Gott. Es geht um Glaubenskraft - und darin wieder um eine selbstverständliche Einfachheit. Widerspricht sich diese Kombination – wo doch der Glaube zeitweise so kompliziert erscheint? Laut dem Sonntagsevangelium gehört dies zusammen.

Die Jünger sind mit ihrem Meister auf dem Weg nach Jerusalem und bemerken immer mehr, dass sie in ihrem Denken weit hinter dem liegen, was Jesus ihnen vorlebt und ihnen vermitteln möchte. Mittlerweile haben sie Jesus kennen gelernt und wissen, dass er zeitweise anders tickt. Sie wissen auch, dass ihnen gerade diese Kraft des Glaubens fehlt bzw. auch immer wieder abhanden kommt. Sie bemerken, dass der Glaube nicht ein für alle Mal ein sicherer Bestandteil ihres Lebens ist. - In der Zeit der Jünger war der Glaube etwas grundlegend Selbstverständliches, das zum Leben gehörte wie die Luft zum Atmen. Eine Selbstverständlichkeit, die heute, 2000 Jahre danach, nicht mehr in dieser Weise gilt.
Dennoch bitten die Jünger den Herrn „Stärke unseren Glauben!“ Ohne einen starken Glauben fühlen sie sich nicht in der Lage, sich mit den Ideen und Weisungen ihres Meisters in ihrer sozialen und politischen Umgebung auseinanderzusetzen.

Glaubenskraft heute zu erwähnen braucht Mut und eine Portion Gelassenheit gegenüber den Reaktionen der Umgebung. Nicht selten werde ich in meiner Arbeit auf der Intensivstation verwundert angeschaut, wenn ich versuche, die Welt des Glaubens in die erschütterte Welt der Patienten und ihrer Angehörigen zu übersetzen. Hier kommt die Einfachheit zu tragen. Es braucht keine theologische Abhandlung, sondern meist sind es wenige Worte und das Gespür der Gegenwart, die den Menschen in ihrer Not weiterhelfen, wenn miteinander um den nächsten Schritt gerungen wird.

Sr. Maria Fokter MC

27. Sonntag im Jahreskreis / Lukas 17,5-10

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