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sehen und gesehen werden

Standen Sie schon einmal in einer dichten Menge von Menschen und wollten etwas/jemand sehen, der da vorbei kommt? Ganz schön schwierig, vor allem, wenn die eigene Größe nicht so viel hergibt. Da hilft es meist auch nicht, sich auf die Zehenspitzen zu stellen. So ähnlich mag wohl die Situation vom Zöllner Zachäus gewesen sein. Er wird als „klein von Gestalt“ beschrieben. Was kann er tun? Er möchte diesen Jesus sehen, der vorbei geht und von dem er vermutlich schon gehört hat. Und seine Sehnsucht macht ihn erfinderisch. Kurzerhand steigt er auf einen Maulbeerfeigenbaum an dem Weg, wo Jesus vorbei kommen muss.

Und Jesus? Er nimmt wahr – bleibt stehen – schaut hinauf - ruft hinauf - holt Zachäus zurück zur Erde. Jesus will Gast sein bei Zachäus, dem Zöllner, der gemieden wird, der unbeliebt ist im Ort. „Ja wie! Das tut man doch nicht, mit solchen Menschen pflegt man keinen Umgang!“ Jesus sieht dies anders. Er weiß sehr wohl, bei wem er sich einlädt und gerade deshalb geht er dorthin. Mit dieser Hinwendung Jesu passiert im Inneren des Zachäus eine Wandlung. Er kann eingestehen, dass er betrogen hat und will Wiedergutmachung leisten. Doch die Menschen ringsherum, besonders die Frommen, machen für Zachäus den Neubeginn schwer. Sie wissen wie Zachäus ist und daran soll nicht gerüttelt werden.

Es ist nicht so einfach, vorgefertigte Bilder zu verlassen. Und es ist nicht so einfach, Mitmenschen Veränderung zuzugestehen.

 

Sr. Theresia Hoiß MC

 

31. Sonntag im Jahreskreis / Lukas 19, 1–10

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