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Mehr als mein

Jesus erhebt offenbar zu hohe Ansprüche an seine Jüngerinnen und Jünger: Wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig!

Doch wer hier einen eifersüchtigen Gottessohn verdächtigt, liegt falsch. Er kam ja gerade deshalb als Mensch auf die Welt, um uns zu zeigen, wie groß und ohne Ende Gottes Liebe ist. Was will uns das Evangelium also sagen?

Wir alle kennen das: Das ist mein Kind, meine Mutter, mein Mann… Und in diesem "mein" lauert eine Gefahr, die unser Leben allzu kleinlich macht. Ich mag den Satz von Dorothee Sölle: "Es muss doch mehr als alles geben." Dieses immer noch "mehr", das ist doch kein Störenfried gegen ein Leben in Dankbarkeit, sondern die heilsame Unruhestifterin für mehr Leben! Wenn ich ängstlich an "meinem" Leben klammere, wird es klein. Wenn ich aber mein Leben großmütig einsetze, dann wirkt Gott durch mich und macht es größer.

»Ad maiorem Dei gloriam«, also "alles zur größeren Ehre Gottes" – Womit vermehre ich Gottes Ehre in meinem Leben? Je nach Situation kann die Antwort lauten: Indem ich mein eigenes Kind, den eigenen Mann/ die eigene Frau über alles zu lieben versuche. Aber darüber hinaus mehr als nur "mein" Kind und "meinen" Mann, "meine" Frau – nämlich in ihnen die Menschen, in denen mir Jesus begegnen will.

 

Sr. Joanna Jimin Lee MC

 

13. Sonntag im Jahreskreis / Matthäus 10, 37-42

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