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Vergebungsbereit

Also, einmal ist es wirklich genug. Ich bin doch nicht dumm, dass ich immer wieder nachgebe, immer wieder verzeihe, alles Ungute und Unrecht vergesse. Siebenmal, meint Petrus, würde wirklich reichen. Mir kommt siebenmal schon reichlich oft vor. Aber Jesus sagt, nein, das ist nicht genug. Er meint ja, wenn er „siebenundsiebzig mal“ sagt: immer, dauernd, ohne Ende. Manchmal übertreibt er einfach!

Mit dem folgenden Gleichnis macht er dann deutlich, worum es wirklich geht. Wir alle sind Sünder und haben es nicht verdient, dass Gott uns verzeiht. Aber er tut es. Er nimmt uns einfach immer wieder auf, wenn wir um Verzeihung bitten. Jesus erzählt von einem Mann, der sich wahnsinnig verschuldet hat und aus diesen Schulden nie mehr herauskommen könnte. Er wirft sich vor seinem Herrn nieder und bittet ihn, doch zu warten, bis er zahlen könne. Es ist klar, dass sein Herr weiß, dass das völlig unmöglich ist. Und er streicht einfach die ganze Schuld und lässt den Mann gehen, der nicht weiß, wie ihm geschieht. Als er dann einen Kollegen trifft, der ihm ein wenig Geld schuldig ist, hat er keine Spur von Mitleid, droht ihm mit Kerker und dem Verkauf seiner Familie in die Sklaverei. Das macht mich sprachlos, zornig. Nur, wenn ich mich selbst ehrlich anschaue, erlebe ich diesen Kontrast auch immer wieder.

Es ist auffallend, dass Jesus die Vergebung seines Vaters davon abhängig macht, ob wir bereit sind, auch unseren Mitmenschen zu vergeben. Wie leicht erwarten wir, dass die anderen auf den Knien zu uns kommen, bevor wir bereit sind, ihnen zu vergeben. So hat Gott nie an uns gehandelt und so handelt er bis heute nicht an uns! Gott erwartet, dass wir dem anderen vergeben, weil auch wir Vergebung nötig haben.

Der Maßstab unseres Vergebens ist Gott. Seine unbegrenzte Barmherzigkeit und liebende Annahme zeigt Gott in seinem Sohn, Jesus von Nazareth. Wir alle sind als Jesu Geschwister die geliebten Kinder Gottes. Und wir alle sind auf seine Geduld und Barmherzigkeit angewiesen. Darin liegen Motiv, Maßstab und Antrieb für unsere gegenseitige Vergebung. Kann ich da noch Bitterkeit gegen jemanden bestehen lassen, der mir wehgetan hat? 

Sr. Margarita Erlacher MC

24. Sonntag im Jahreskreis / Matthäus 18, 21-35

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